Ergonomie und Usability

Ergonomie- / Usability Entwicklungen grenzen sich für uns von User Interface / Graphical User Interface Projekten dadurch ab, dass es sich dabei in erster Linie um mechanische „Mensch Maschine“ Schnittstellen handelt.

  1. können dies kleinste Bauteile wie Luerschrauben oder Griffe für Venenverweilkanülen sein (Zweifingerzufassungen).
  2. z.B. Griffe für chirurgische Handinstrumente, Griffe für Trolleys oder OP Leuchten sein (Handumfassungen).
  3. alle Produkte die den ganzen Anwender und / oder Patienten einbinden, wie z.B. OP Tische, Rehabilitationsroboter oder Rollstühle.

Sicher gibt es auch Übergänge zwischen Ergonomie- und Usability Entwicklungen und User Interface / Graphical User Interface Aufgaben, wie z.B. ein HF Schalter an einem laparoskopischen Instrument. Dieser ist zwar ein elektrischer Schalter. Er wird aber von der physischen Gesamtanmutung und Verwendung bestimmt, bildet somit kein separates Panel, wie z.B. die Front eines HF Generators.

Ergonomie und Usability in der Medizintechnik
Natürlich ist die Ergonomie- und Usability Entwicklung von Produkten in der Labor- und Medizintechnik für uns eine zentrale Aufgabe in der Projektarbeit. Sicherheit und Zuverlässigkeit in der Anwendung haben allerhöchste Priorität. Nicht zuletzt deshalb haben wir vom ersten Tag von Held+Team an diesem Entwicklungsbereich sehr viel Raum gegeben. Unser Design ordnet sich den Erkenntnissen die so gewonnen werden und die in Anwendertests verifiziert wurden unter. Insbesondere bei allen handgeführten Instrumenten der oben genannten Gruppen 1. und 2. haben wir in den Jahren, in unzähligen Projekten ein besonders differenziertes know how aufgebaut. Know how welches natürlich in jedes weitere Projekt einfließt. Es sorgt dafür, dass viele „Umwege“ nicht mehr gegangen werden müssen, da sie in Anwendertests ehemals als nicht zielführend bestimmt wurden. Dies gilt ganz besonders für Fragen wie der Grad der Gewöhnung an eine existierende Bedienungsart mit einer neuen, optimierten Bedienung in Einklang zu bringen ist. Bindet man zu viel neues ein, können Anwender überfordert oder verunsichert sein, was die Sicherheit der Bedienung gefährdet. Auch sind lange Lernphasen für neue Handhabungen im Hinblick auf Effektivität der Anwendung negativ zu bewerten. So ist die gefundene Ergonomie meist ein Kompromiss aus aktuellem Stand der Anwendung und einer „neuen“ ergonomischen Lösung. Aber auch für Entwicklungen der 3. Gruppe haben wir unzählige Projekte erarbeitet. Von komplexen physiotherapeutischen Hilfsgeräten mit integrierter Robotic, über OP Mikroskope und Stative, bis zu OP Tischen oder Deckenversorgungseinheiten.

Einbindung des visuellen Designs
Trotz der weitreichenden Erfahrungen bildet der Besuch und die immer wieder neue Observation des Anwenders, den Einstieg in fast jedes neue Projekt. Fotos und Videos werden aufgezeichnet und von uns ausgewertet. Internationale ergonomische Datensammlungen gesichtet und angewendet. Erste Studien entstehen, üblicherweise basierend auf manuell erstellten Modellen. Schon mit diesen eher groben Modellen können Anwender befragt werden, lange bevor mit der Arbeit im CAD begonnen wird stehen Aussagen zur Verfügung, die die grundsätzliche Richtung der weiteren Arbeit bestimmen können. Im weiteren Verlauf werden durch iterativ weiterentwickelte Muster – meist im Rapid Prototyping erstellt – weitere Anwendertests durchgeführt. „Irgendwann“ in diesem Prozess beginnt die formale Designarbeit – die visuelle Gestaltung. Der Zeitpunkt lässt sich nicht präzisieren, da er stark vom Produkt und dem Einfluss des Designs auf eine gefundene ergonomische Lösung abhängt. Wichtig ist, dass wir diese nicht ans Ende stellen, denn auch das visuelle Design muss in Bezug auf die Gebrauchstauglichkeit verifiziert sein. Dieser Prozess, vom ersten Anwenderbesuch, über den „kognitiven walk through“ bis zum finalen Design, wird von uns dokumentiert und so aufbereitet, dass er vom Projektteam für die Gebrauchstauglichkeitsakte verwendet werden kann (DIN60601-1-6/62366).